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Den Trümmern zum Trotze

Teil einer Fotoserie, 2012-2014, fotografiert mit einer Agfa Box auf verschiedenen Berliner Trümmerbergen, 59x43,5cm

Ausstellungsansicht Katharina Maria Raab Galerie, Berlin 2017, Foto Christof Zwiener

In den 1950er Jahren begannen Stadtplaner und Landschaftsarchitekten die vierzehn Berliner Trümmerberge zu bepflanzen. Sie wählten Bäume und Pflanzen aus, die schnell wuchsen und deren Wurzelwerk sich dem künstlichen Untergrund aus Trümmern und Schutt leicht anpassen konnte. Wortwörtlich ließ man Gras über die Sache wachsen. Heute sind die Trümmerberge kaum von natürlichen Erhebungen zu unterscheiden. Die auf ihnen entstandenen Parkanlagen wirken unschuldig und geben ihre vergessen gegangene Geschichte nur in kleinen Stücken preis, wenn etwa durch Erosionen Scherben aus Glas, Keramik und Porzellan ans Tageslicht gebracht werden. Bei ihren Spaziergängen über die Berliner Trümmerberge wendet Sonya Schönberger ihren Blick nach unten auf der Suche nach diesen Spuren. Der Blick geht aber auch nach oben und zeigt uns, was aus den Trümmern wächst. Für die aus zehn Fotografien bestehende Werkgruppe “Den Trümmern zum Trotze” entschied sich die Künstlerin für die Verwendung der Agfa Boxkamera. Bei diesem zwischen 1930 und 1957 entwickelten, sehr einfachen Kameratyp, muss sie die Kontrolle abgeben. Der fotografierte Ausschnitt wird durch den Sucher nur ungefähr angezeigt und verschiebt sich zusätzlich, da die Kamera beim Auslösen auf Bauchhöhe gehalten wird. Lichteinfall und Schärfe können nicht reguliert werden. Darüber hinaus verwendet Schönberger Filme, deren Haltbarkeitsdatum bereits abgelaufen ist, was die Farbe beeinträchtigt. Die Fotos sind so keine scharf umrissenen Dokumente, sondern subjektive Momentaufnahmen, ähnlich der Zeitzeugenaussagen, mit denen die Künstlerin oft arbeitet. Die Entscheidung, historische Orte mit dieser Technik zu fotografieren, tritt in ein irritierendes Verhältnis zu dem “Heimatphotographie-Erlass” aus dem Jahre 1930 der Kulturabteilung von Agfa, die gemeinsam mit dem preußischen Kulturministerium beschlossen hat, Kameras an herausragende Schüler und Schülerinnen zu verschenken. Unter dem Titel “Praktische Betätigung der Schüler und Schülerinnen auf dem Gebiete der Photographie” wird betont, dass es sich “zunächst darum handeln (wird), das wertvolle Heimatgut, dass die Natur darbietet zu bergen. Als Gegenstände der photographischen Erfassung kämen in erster Linie die in der engeren Heimat vorhandenen Naturdenkmäler in Betracht, vor allem ehrwürdige Baumgestalten...”

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Den Trümmern zum Trotze (despite the rubble)

part of a photographic series, 2012-2014, photographed with an Agfa Box on various Berlin rubble hills, 59x43,5cm

Installation view at Katharina Maria Raab Galerie, Berlin 2017

In the 1950s, city planners and landscape architects began planting on the fourteen Berlin rubble hills. They chose trees and plants whose root system grew rapidly from artificial debris and could easily adjust to it. Literally, grass was allowed to grow over the past. Today, the rubble hills are hardly distinguishable from natural elevations. The parks created on them seem innocent and tell their forgotten story only in small pieces, when shards made of glass, ceramics and porcelain are brought to light for example by erosion. On her walks, Sonya Schönberger turned her gaze down in search of these traces. But the view also goes up and reveals, what grows out of the rubble.

For the group of work „Despite The Rubble" consisting of ten photographs, the artist decided to use an Agfa box camera. This very simple type of camera, developed between 1930 and 1957, is nearly impossible to control. The photographed detail is only approximated by the viewfinder and shifts in addition, as the camera is held at belly height when triggered. Incidence of light and sharpness can not be regulated. In addition to the camera, Schönberger used films whose expiration date has already expired, which affects the outcome of the colors and grain.

The photos are no sharply outlined documents, but subjective snapshots, similar to the eyewitness testimonies with which the artist often works. The decision to photograph historical places with this technique is in an irritating relationship with the “Heimatphotographie-Erlass” (Home Photography Decree) from the Cultural Department of Agfa in 1930, which had decided, together with the Prussian Ministry of Culture, to give away cameras to outstanding students. Under the title "Practical exercise of pupils in the field of photography" it emphasized that "the first thing to do is to recover the valuable nature that our homeland offers. As objects of the photographic capture, the natural monuments present in the closer homeland would come first into consideration, above all venerable tree figures ... "